Rudolf Chylik – Simultanpartie gegen Paul Keres

Das Spiel gegen einen Großmeister ist immer eine spannende Angelegenheit. Als Vereinsspieler bekommt man dazu nicht allzu oft die Möglichkeit. Mit etwas Glück bei einem Open, oder aber bei einer Simultanveranstaltung.

Rudi lies sich diese Gelegenheit 1966 nicht entgehen und spielte gegen Großmeister Paul Keres eine Simultanpartie in der Wiener Stadthalle.

Paul Keres mit Weiß wählte ein Abspiel der Reti-Eröffnung und setze nach und nach das schwarze Bauernzentrum und den Damenflügel unter Druck. Gewissenhaft verteidigte sich Rudi. Großmeister Paul Keres öffnete für sein Läuferpaar das Spiel unterliegt dabei aber einer Fehleinschätzung und läuft in eine gut versteckte Falle, als er sich zu gierig an einer Qualität vergriff.

Das originale Partieformular sowie die Ausschreibung der Simultanveranstaltung sind im Mitgliederbereich zu finden: Rudolf Chylik – Schachklub Bad Sauerbrunn (bsbschach.club)

[pgn]
[Event „Simultanveranstaltung“]
[Site „Wiener Stadthalle“]
[Date „1966.10.30“]
[Round „?“]
[White „Keres, Paul“]
[Black „Chylik, Rudolf“]
[Result „0-1“]
[ECO „A11“]
[Annotator „Mario Milanollo“]
[PlyCount „88“]
[EventCountry „AUT“]

1. Nf3 d5 2. c4 c6 3. b3 Nf6 4. Bb2 g6 5. g3 Bg7 6. Bg2 O-O 7. O-O Re8 8. d3
Nbd7 9. Nc3 e5 10. cxd5 cxd5 11. Rc1 a6 12. Na4

{Beide Spieler bewegen sich
auf bekannten Pfaden in einem Abspiel der Reti-Eröffnung.}

b5

{Der am
häufigsten gewählte Zug.}

13. Nc5 Rb8

({Die Hauptfortsetzung ist hier:} 13…
Nxc5 14. Rxc5 Qd6 15. Qc2 Bd7 $11 {und Schwarz hat keine Probleme. Der Läufer
auf d7 wirkt besser als auf b7 auch Richtung Königsflügel, die Türme sind
verbunden und die Dame hat sich rechtzeitig vor den Läufer schön zentral
postiert. 1966 ohne Computer war man auf sich alleine gestellt und Datenbanken
gab es noch keine.})

14. b4 Bb7

{Schwarz sollte sich den weißfeldrigen
Läufer behalten. Durch das Fehlen des Läufers wird die Deckung des Bauern d5
erschwert, aber auch prinzipiell wird die Kontrolle über die weißen Felder
geschwächt. Weiß ist aus diesen generellen Überlegungen bereit den schön
postierten Springer gegen den optisch schlechten Läufer herzugeben – zumal
der zweite Springer über d2-b3-c5 ebenfalls den schönen Vorposten besetzen
kann.}

({Besser ist} 14… Nxc5 15. bxc5 Qc7 {und Schwarz hat durch die
verbundenen a und b Bauern ebenfalls einen Trumpf in der Hand.} {Das Eindecken
des c5 Bauern ist für Schwarz keinesfalls nachteilig.} 16. d4 ({Auch der Vorbereitungszug} 16. e3 {führt bspw. nach} b4 17. d4 e4 {zu einer
für Schwarz sehr bequemen und zumindest ausgeglichenen Stellung.} 18. Ne5 Nd7)

16… e4 17. Ne5 Ng4 18. Nxg4 Bxg4 $11) 15. Nxb7 Rxb7 16. Nd2

{Der nächste
Springer strebt nach c5.}
({Falls} 16. Qb3 a5 17. bxa5 Qxa5 $14 {mit
Gegenspielmöglichkeit am Damenflügel. Weiß steht jedoch besser.})

16… Qb6

({Dem Springermanöver kann Schwarz auch in diesem Fall mit Gegenspiel am
Damenflügel entgegen wirken:} 16… a5 17. Qb3 Ra7 18. a3

(18. bxa5 Qxa5 19. Bc3 Qxa2 20. Qxb5 Rb8 21. Qc6 Ra6 22. Qc7 Ra7 23. Qc6 $11 {mit Dauerverfolgung der
Damen.})
(18. Bxd5 {scheitert an} a4 19. Bxf7+ Kf8 20. Qc3 Kxf7 $19)

18… Bh6 19. Rc2 axb4 20. axb4 $14 {und Schwarz spielt mit.})

17. Nb3 Rc7 18. Rxc7 Qxc7
19. Qa1

({Hier steht die Dame etwas abseits, wirkt jedoch gemeinsam mit dem
Läufer auf der langen Diagonale.

Eine Alternative besteht in} 19. Qd2 Rc8 20.
Rc1 Qb8 21. Nc5 {mit Vorteil für Weiß.} Qd6 22. Nxd7 Rxc1+ 23. Qxc1 Nxd7 24.
Qc8+ Bf8 25. a3 $16 {Weiß hat das Läuferpaar und beherrscht die offene Linie.
DIe zentralen schwarzen Bauern können leicht zu einem Angriffsziel der
Läufer werden.})

19… Qd6 20. a3 h5

{Nun bekommt Schwarz Ambitionen auf
einen Königsangriff.}

({Vorsichtiger ist darum zu kämpfen, dass der weiße
Turm nicht auf die c-Linie kommt.} 20… Bh6 21. e3 Qe6 22. d4 (22. Rc1 d4)
22… e4 23. Rc1 Nb6 24. Nc5 Qf5 {und Schwarz spielt einen Gegenangriff am
Königsflügel.

Der Bauer ist nicht besonders bekömmlich:} 25. Nxa6 Ng4 26.
Rc2 Nxf2 27. Rxf2 Bxe3 28. Qe1 Qg5

(28… Bxf2+ {nicht klar ist der Übergang
in das Endspiel Turm gegen 2 Leichtfiguren:} 29. Qxf2 Qxf2+ 30. Kxf2 {Der
a3-Bauer wird verloren gehen. Weiß hat mit den beiden Figuren jedoch starkes
Verteidigungspotential.} Ra8 31. Nc5 Nc4 32. Bc1 Nxa3 33. Bxa3 Rxa3 34. Bf1
Ra2+ 35. Ke3 Rxh2 36. Bxb5 {Ein spannendes Endspiel mit verteilten Chancen.})

29. Bf1 Nc4 30. Bc3 Bxf2+ 31. Qxf2 {und Schwarz steht aktiver und besser})

21. Rc1 Rb8

({Sofort geht} 21… h4 {nicht, wegen} 22. Na5 Qe6 23. Rc6)

({Eine spekulative und verpflichtende Alternative bestand darin den a6-Bauern für
Angriffsmöglichkeiten am Königsflügel aufzugeben.} 21… Qe6 22. Na5 Qf5 23.
Rc6 e4 24. dxe4 dxe4 {und die schwarzen Figuren stehen plötzlich deutlich
aktiver} 25. Rxa6 Ne5

(25… Ng4 {reicht nicht} 26. Bxg7 Qxf2+ 27. Kh1 f6 28.
Bxf6 Ndxf6 29. h3)

(25… h4 26. Nc6 Ng4 27. Bd4 hxg3 (27… Qxf2+ 28. Bxf2
Bxa1) 28. hxg3 Qxf2+ 29. Bxf2 Bxa1 30. Bd4 Bxd4+ 31. Nxd4 Re5 {Das Endspiel
ist besser für Weiß aber Schwarz kämpft mit})

26. h3 h4

{jetzt stehen die schwarzen Figuren alle aktiv und unterstützen den Angriff. Weiß muss bereits
vorsichtig spielen bspw.:} 27. Nb7 hxg3 28. fxg3 Qg5 29. Nd6 Re6 30. Bxe5 Qe3+
31. Kh1 Rxe5 {der Turm ist tabu und Schwarz steht gut})

22. Na5 Rb6 23. Rc8+
Kh7 24. Qc1

{nun steht Weiß deutlich besser}

Nb8

({Auf} 24… h4 {folgt:} 25. Bh3)

({Um dies zu verhindern könnte Schwarz hier} 24… Qe6 {versuchen}) 25.
f4

({Der Übergang in das Endspiel mittels} 25. Qc7 {ist deutlich stärker und
beraubt Schwarz jeglichen Gegenspiels.})

25… Nfd7 26. Qa1 f6 27. Qf1 Nc6 28.
fxe5 $6

{Die Öffnung der f-Linie kommt in dieser Stellung interessanterweise
eher Schwarz zu gute. Weiß gibt damit einen großen Teil seines Vorteil auf.}

({Deutlich besser ist mit} 28. f5 {die schwarze Königsstellung zu lockern. Es
fällt Schwarz schwer eine zufriedenstellende Verteidigungsposition aufzubauen.}
Ne7 29. fxg6+ Kxg6 30. Re8 Bh6 31. e4 {und Weiß beherrscht die weißen Felder.
}

({nicht so überzeugend ist jedoch:} 31. Bh3 Nf8 32. d4 e4 33. Bc1 Bxc1 34.
Qxc1 Nh7 {und das schwarze Zentrum schützt relativ gut}))

28… Ndxe5 {nach diesem Abtausch ist der weiße Vorteil zur Gänze verloren gegangen.} 29.
Bxe5

{nach diesem Abtausch ist der weiße Vorteil zur Gänze verloren gegangen.}

Nxe5 30. Qf2 f5 $5 {Dieser Zug stellt eine hübsche und tiefdurchdachte Falle.}

({Mittels} 30… d4 {nimmt Schwarz das Feld e3 für seine
Leichtfiguren unter Kontrolle. Die Stellung ist danach bereits angenehmer für
Schwarz zu spielen.} 31. Qf4 {Weiß setzt auf die Zentralisierung der Dame um
ein entsprechendes Gegengewicht und Drohungen gg. den König zu schaffen.} Bh6
32. Qe4 Be3+ 33. Kh1 Ng4 34. Qe8

{Danach bleibt Schwarz nur mehr das Dauerschach mittels:} Nf2+

({Der König kann nicht nach vorne fliehen, da er
sich in einem Mattnetz befindet.} 34… Kh6 35. Qh8+ Kg5 36. h4+ Kf5 37. Be4+
Ke6 38. Qg8+ Ke5 39. Re8+ Qe6 40. Rxe6+ Rxe6 41. Nc6+) 35. Kg1 Ng4+ 36. Kh1 $11

(36. Kf1 {bringt Schwarz in Vorteil:} Nxh2+ 37. Ke1 Kh6 {und der König entgeht
dem Matt, da nun der h-Bauer nicht mehr da ist.}))

31. Bxd5 $2 {Verlockend aber ein Fehler!}

({Mittels} 31. Qc5 {Weiß hält den d5-Bauer weiter unter
Beschuss und strebt den Damentausch an. Die Verteidigungsressourcen des
Schwarzen sind jedoch überraschend groß.} h4 32. Qxd6

(32. Qxd5 hxg3 33. hxg3 Ng4 34. Qxd6 Rxd6 35. Bb7 Re6 36. Bf3 Bd4+ 37. Kh1 Ne5 {und die schwarzen
Figuren stehen sehr aktiv})

(32. Bxd5 hxg3 33. hxg3 Ng4 34. Bg8+

(34. Qxd6 Rxd6 35. Bg8+ Kh6 {ist für Schwarz noch gut spielbar.})

34… Kh6 35. Kg2 Qe5 36. Qxe5 Bxe5 37. Rc6 Rxc6 38. Nxc6 Bb2 {mit aktiven schwarzen Figurenspiel})

32…Rxd6 33. Nb7 Rc6 34. Rxc6 Nxc6 35. Bxd5 Nd4 {Schwarz hat starkes Gegenspiel.
hg isoliert den g-Bauern und auf c2 käme der Springer nach e3 zu einem
Doppelangriff})

31… Qxd5 32. Qxb6 {[#]} Nf3+

{mit diesem überraschenden Springeropfer kommt plötzlich Schwarz im Vorteil!} 33. Kf1

({Die beste Verteidigung besteht in nun in:} 33. Kg2 Nh4+ 34. Kf1 Qg2+ 35. Ke1 Qh1+ 36. Kd2
Bh6+ {Aber auch hier hat Schwarz entscheidenden Angriff!})

(33. exf3 Bd4+ 34. Qxd4 Qxd4+ 35. Kg2 Qxd3 {Weiß kann keine Festung aufbauen.})

33… Nxh2+ 34.Ke1 Qh1+ 35. Kd2 Bh6+ 36. Kc3 Qc1+ 37. Kb3 Qb1+ 38. Kc3 Bg7+

({Noch stärker ist:} 38… Bd2+ 39. Kxd2 Nf1+ 40. Kc3 Qc1+ 41. Kd4 Qe3+ 42. Kd5 Qxb6)

39. d4 Qc1+ 40. Kd3 Qxc8
{Aus der Abwicklung ist Schwarz mit einer Mehrfigur ausgestiegen.}

41. Nc6 Qe6 42. Qxa6 {nun wird Weiß Matt gesetzt.} Qb3+ 43. Kd2 Bh6+ 44. Ke1 Qb1+

0-1
[/pgn]